Meine Reise nach guatemala & eine Yoga ausbildung
Hallo Tagebuch jeder Blogpost fühlt sich bei mir an wie ein Tagebucheintrag. Der einzige Unterschied, dass ich ihn am Laptop tippe. Ich dachte mir, ich möchte euch alles ganz genau über meine Guatemala Reise erzählen. Vor allem weil es ja keine übliche Reise war…es war ein Yoga Teacher Training im Dschungel am Lago Atitlan. Ein See der mich überwältigt hat. oder eher hallo Community,
Ich wollte euch in chronologischer Reihenfolge über das Training erzählen…aber ganz ehrlich? Will ich nicht mehr. Es würde sich nicht authentisch anfühlen, wenn ich nicht aus meinem Herzen sondern aus meinem Verstand schreiben würde… ich bin eine Geschichtenerzählerin, die andere Herzen berührt und keine Reisebuchautorin oder Bloggerin.
Also los:
Als ich meiner Familie von Guatemala erzählte wollte es keiner so richtig ernst nehmen, geschweige denn wahr haben. Es hieß immer: „Nein also da fährst du ganz bestimmt nicht hin“, „Anna, kannst du dich endlich mal setteln?“ „Es gibt auch gute Yoga Teacher Trainings in Österreich“, „Warum wieder so weit weg?, „Guatemala ist so gefährlich“ (sagt jemand, der noch nie dort war)
Und meine Antwort darauf ist immer: Warum denn nicht? Wenn man noch nie dort war, kann man auch nicht darüber urteilen oder?
Ich war halt schon immer eine kleine Abenteurerin. Aber Angst hatte ich schon ein bisschen, muss ich zugeben. Nur dass ich mit der Zeit drauf kam, dass es nicht meine eigene Angst war. Ich habs übernommen von meiner Familie, weil die Angst hatten. Ich war ein sehr mutiges Kind und so etwas wie Angst kannte ich bis vor ein paar Jahren gar nicht wirklich.
Uuuuund ich drifte schon wieder ab, ich wollte euch ja von meinem YTT erzählen. Aber wenn ich mal so im Schreib-Flow bin, dann möchte ich mich selbst nicht stoppen, und so ists doch viel authentischer.
Naja schlussendlich flog ich dann tatsächlich nach 4 Jahren Planung (laaaaange Geschichte), endlich nach Guatemala. Und was soll ich sagen…ich war hin und weg.
Es war übrigens eine Solo-Reise. Eine Woche bevor das YTT begann, wohnte ich in einem der Nachbarsorte called San Marcos la Laguna. Somit konnte ich einige Tage in die Magie des Sees eintauchen. Ej ich tu mir so schwer darüber zu schreiben, da es für manche Orte einfach keine Worte gibt… hast du das auch schon mal so erlebt?
Aber ich möchte es wenigstens versuchen.
Mit dem Shuttle von Guatemala City ging es nach einem verrückt langen Flug mit einigen Stunden an Verspätung, ca. 4h zum See. Natürlich wurde mir in der Autofahrt wieder speibschlecht aber dann nach Stunden endlich der erste Blick herab auf den See. Uff… meine Kinnlade fiel wortwörtlich nach unten. Vorfreude steigt auf trotz starker Übelkeit und Müdigkeit. Anstatt gleich das erste Bootstaxi auf die andere Seite des Sees zu nehmen, wo sich mein Hostel befindet, musste ich mich mal eine Stunde lange im naheliegendsten Cafe mit Kombucha und einem nicht wirklich gutem Samosa befriedigen. Die Bootsfahrt dauerte eine knappe halbe Stunde und war sseeeehr wackelig und nass, aber das macht mir unglaublich Spaß und da wird mir lustigerweise nie schlecht. Der Ausblick war der Wahnsinn. Grünbewachsene nicht aktive Vulkane, ein sattes Blau des Wassers und tolle Bambushäuser am Rande des Sees. Ich bin im Paradies!! Es war auch echt warm, sicher so 25 Grad. Ich wusste überhaupt nicht wirklich auf welches Wetter ich mich einstellen sollte. Dann sagte der Bootsbesitzer „San Marcos“ und mein Herz hüpfte. Ich bin endlich daaa!! An Land getreten, stieg mir sofort der Geruch von Räucherstäbchen in die Nase und ich wusste „hier bin ich richtig“. Ein Ort der jeden „spirituellen Menschen“ sofort verzaubert mit seinem Charme.
Und noch dazu ein Ort der so viel Geschichte hat. Er ist nämlich ein Ort, wo noch ein Maya Volk lebt. Bräuche und Traditionen leben hier seit tausenden von Jahren weiter. Natürlich ist es nicht leicht in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung ein so reiches kulturelles Erbe zu bewahren, aber sie geben mit Stolz ihr Bestes. Ihre spirituellen Praktiken, das zyklische Leben mit der Natur sowie mit der Astrologie und ihren Vorfahren, gibt ihnen Kraft und ist ihnen heilig. Mythen sagen, dass im See Sirenen, die Mondgöttin und sogar eine versunkene Maya-Stadt beheimatet sind.
Der Atitlan See wird als zutiefst heilig betrachtet und zieht bewusst Reisende, internationale Heilungssuchende und Yogis an. Kein Wunder also wieso ich einen starken Sog verspürte…
Ich durfte hautnah eine Maya Zeremonie miterleben, ein Temazcal mit eigenen Händen bauen und ein Saunaritual mit Trommeln und Singen besuchen. Jede von uns im YTT bekam ein Reading aus dem Maya Kalender, dies dauerte ganze vier Stunden während wir puren Tabak rauchten und diese wurde mit einer Feuerzeremonie abgeschlossen.
Aber jetzt mal zum YTT:
Ich absolvierte eine ganzheitliche Hatha/Vinyasa Ausbildung aber mit ganz viel Bhakti Einflüssen mit Kula Collective. Das Yoga das mich fast am meisten interessiert. Das Yoga der Hingabe. Singen bzw. Chanten, Musik, tanzen und Zeremonien spielen hier zum Beispiel eine große Rolle. Das bedeutete das wir sehr oft abends zusammen im Kreis chanteten und musizierten aber auch während den Yoga Einheiten die Stunden oft mit bekannten Mantren eröffneten oder schließen. Lieb ich sehr und fühl ich sehr! Als nächstes besorge ich mir ein Harmonium natürlich 😉
Wir waren sechs Mädls in der 200h Ausbildung und dann warens noch zeitgleich ich glaub neun Mädls im 300h Lehrgang.
Unser Tagesablauf war jeden Tag sehr strikt einzuhalten.
6:45-8:45
Asana, Pranayama & Meditation (Art of Practice)
Smoothie Break
9:30-11:00
Philosophy Discussion (Art of Living)
Lunch Time & Rest or Walk
1:00-2:30
Special Topic (Art of Living/Healing)
2:45-5:45
Asana Analysis, Sequencing & Hands On Assists (Art of Teaching)
Dinner
7:00-8:00
Songs & Ceremony (Art of Healing)
Das ging 16 Tage so mit zwei off Days dazwischen und davor mussten wir viel online Videos schauen, lesen und lernen.
Was ich suuper fand war die Schweigestunden in der Früh bis zur zweiten Einheit die dann um 9.30 Uhr startete. Das war für mich persönlich seeeehr wichtig, denn ich bin kein Mensch der gerne in der Früh redet.
Zur Unterkunft:
Das Grundstück war riiieesig, grün, bedeckt mit Dschungelpflanzen und mein Highlight war, dass einfach Avocados, Bananen, Passion Fruit, Papayas, Kaffee und andre gute Dinge bei uns wuchsen somit hatten wir jeden Tag frisches und ökologisches Obst und Gemüse. Einmal wurde ich sogar fast von einer riesen Avocado erschlagen haha… Wir hatten drei einheimische Damen aus dem Ort die für uns jeden Tag 4 köstliche vegetarische Mahlzeiten zubereiteten. Und das Essen kann ich euch sagen, war der Waaahnsinn. Wir hatten natürlich – wie es im Dschungel halt so ist – einige nette MitbewohnerInnen, von großen Spinnen bis hin zu Skorpionen die sich im Bett oder in Schuhen versteckten bis hin zu den hauseigenen Katzen Reishi und Chaga und ein paar cuten Doggos. Really miss them!
Die Hütten in denen wir schliefen waren vor allem aus Bambus, Stein und anderen Ästen. Ich schlief in einem 4er Dorm. Es gab auch keinen einzigen geschlossenen Raum. Alles ist offen auch das Bad und die Küche nur mit einem Bambusdach. WC war natürlich ein Plumsklo. Aber genau sowas wollte ich. 😊 Am Tag hatte es immer so um die 25 Grad aber in der Nacht konnte es echt kalt werden und auf 10 Grad runter kühlen.
Das Schönste an dem Anwesen war eindeutig die Yoga Plattform. Der Ausblick ist unbezahlbar und den werde ich immer tief in meinem Herzen haben.
Eine meiner größten Ängste vor jeder Reise fernab, ist es, krank zu werden. Weils mir auch eben schon öfters passiert ist. Diesmal hatte ich besonders Angst, denn ich wusste, dass das nächste Krankenhaus 5 Stunden entfernt war und so schnell mir dort niemand helfen konnte. Tatsächlich wurde ich wieder mal mitten im Training krank – Magen Darm – dauerte auch sicher 4 bis 5 Tage aber ich habe diesmal eine Theorie entwickelt. Dazu aber gerne mehr in einem anderen Blogpost.
Worin ich jetzt auch mehr bestärkt bin: Ich möchte keine reinen Yoga Klassen halten. Hab ich eh noch nie aber jede Yoga Klasse soll bei mir eine Zeremonie sein. Und ganz ganz wichtig: vom Herzen kommen. Ich unterrichte nicht wirklich gerne powervolle Vinyasa Klassen, das bin ich einfach nicht. Am liebsten teache ich intuitive embodied Sessions oder ganz ruhiges und sanftes somatisches Yin Yoga. Ich plane meine Klassen meist auch nicht – es fließt einfach durch mich durch während der Einheit. Und so möchte ich es gerne beibehalten. Ich unterrichte auch nicht gerne wöchentlich. Ein bis zwei Mal im Monat finde ich toll.
Ach was soll ich sagen, ich könnte noch hunderte Seiten weiter schreiben über das Land, die Menschen, die Kultur oder meine spirituelle Erfahrung aber ich denke, ihr konntet einen guten Einblick mit dem Blog gewinnen.
Ich möchte mit dem Blogpost keine Werbung für ein YTT machen. Ich möchte damit nur zeigen, dass es einfach nur Mut und ein offenes Herz benötigt. Ich bin jetzt nicht nur ausgebildete Yoga-Lehrerin sondern soooo viel mehr. Ich habe so viel über mich gelernt (auch wenn ich das sowieso immer tue aber man lernt ja nie aus), Klarheit gewonnen, bin wieder ein bisschen mehr bestärkt worden was wirklich wichtig ist im Leben. Ich durfte an einen der schönsten Orte reisen, wo ich je war…
Lago Atitlan, Gracias! Hasta luego!